07/15: Bonaventura

Bonaventura

Kardinalbischof von Albano, Kirchenlehrer
* vor 1221 in Bagnoregio bei Viterbo in Italien
† 15. Juli 1274 in Lyon in Frankreich

Giovanni di Fidanza wurde als Sohn eines Arztes geboren. Die Überlieferung erzählt, dass das schwer kranke Kind geheilt wurde, nachdem seine Mutter ihn zu Franziskus von Assisi gebracht und der ihn gesegnet hatte. Als Franziskus 1226 im Sterben lag, besuchte ihn die Mutter mit dem gesunden Kind abermals, Franziskus rief über dem Kind aus: oh buona ventura, oh gute Fügung, was später zum Ordensnamen von Giovanni wurde.

1236 ging Giovanni an die Universität von Paris, wo er bis 1242 unter Alexander von Hales studierte. 1243 – nach anderen Quellen schon vor Beginn seines Studiums – trat er unter dem Namen Bonaventura dem Franziskanerorden bei, setzte seine theologischen Studien fort und wurde 1253 zusammen mit Thomas von Aquin Professor der Theologie am Pariser Institut für arme Theologiestudenten, aus der sich die berühmte Universität Sorbonne entwickelte.

Bonaventura wurde in den 1252 aufgebrochenen Streit zwischen der sogenannten Professorenpartei der Pariser Universität und den Mendikantenorden, den Bettelorden, hineingezogen und wurde neben seinem Mitbruder Johannes Pecham und Thomas von Aquin der bedeutendste Verteidiger der neuen Orden. Ursache der Auseinandersetzung war die Neuartigkeit der Bettelorden: Bis ins 13. Jahrhundert kannte die abendländische Kirche auf der einen Seite die von ihrer Dotation lebenden Seelsorger, auf der anderen Mönchsorden, in denen der einzelne besitzlos lebte, aber durch sein Kloster abgesichert war. Die neuen Orden waren aber auch als Gemeinschaft nicht durch Besitz gesichert, sondern auf die Almosen der Bevölkerung angewiesen. Sie praktizierten eine nicht am Pfarrprinzip orientierte Seelsorge, sondern waren überregional organisiert und stärkten so die päpstliche Zentralgewalt gegenüber den Ortsbischöfen. An der Pariser Univiversität beanspruchten diese Mendikanten nun auch Magisterstellen; die Professorenpartei argumentierte, dass die Lebensform der Mendikanten sich zu Unrecht auf das Evangelium berufe.

Bonaventura hielt dagegen: 1. Gott lenke die Kirchengeschichte so, dass jeder Herausforderung einer neuen Epoche eine neue Antwort entspricht: die Bettelorden seien die Antwort auf die Gefahr des Reichtums, die die Wirtschaftsentwicklung damals mit sich brachte. 2. Die Glieder am Leib Christi ergänzen sich; deshalb dürfen die Bettelorden ihre Mitchristen materiell belasten, da sie ihnen in ihrer Seelsorge auch viel geben. 3. Armut, das Verlassen der Sicherheit der Ständeordnung, ist der eigentliche Erscheinungsort Gottes; der Mensch soll arm sein, damit er von Gottes Reichtum erfüllt werde. Ein Erfolg der Mendikanten in der ersten Phase des Streites war 1255 die Bulle von Papst Alexander IV. Quasi lignum vitae, durch die ihnen Lehrstühle an der Pariser Universität zugesprochen wurden. Während dieser Zeit schrieb Bonaventura seinen Sentenzenkommentar und beschäftigte sich, wie auch Thomas von Aquin, mit der Aufnahme aristotelischen Gedankengutes in die theologische Tradition des Augustinus. 1256 promovierte Bonaventura in Philosophie und Theologie.

Als Bonaventura Magister der Universität Pisa gewesen sei, habe ihn Thomas von Aquin besucht und gefragt, wo seine Bibliothek sei, aus der er sich so große Kenntnisse und Beredsamkeit erworben habe. Bonaventura zog einen Vorhang zurück und deutete auf den gekreuzigten Christus. Seine demütige Bescheidenheit veranlasste ihn lange Zeit, keine Kommunion zu nehmen, bis sie ihm angeblich von einem Engel gereicht wurde.

Aufgrund seiner Gelehrsamkeit wurde Bonaventura 1257 zum Ordensgeneral der Franziskaner gewählt; er leitete den Orden von Paris aus. Sofort geriet er in eine neue Auseinandersetzung, in die um den Joachimismus. Joachim von Fiore hatte viele Anhänger im Franziskanerorden, da man in Franziskus den von ihm prophezeiten Künder des neuen, vom Heiligen Geist geprägten Zeitalters sah. Johannes von Parma, Bonaventuras Vorgänger als Ordensgeneral, war als Joachims Anhänger abgesetzt worden, Bonaventura war beteiligt am Prozess gegen seinen Amtsvorgänger, der mit dessen Versetzung in ein abgelegenes Kloster endete. In der Auseinandersetzung mit dem Joachimismus lehnte er die Lehre eines dritten Zeitalters des Heiligen Geistes ab, da Christus die Erfüllung der Zeit gebracht habe; er griff aber den Gedanken einer Periodisierung der Geschichte auf.

Die aufgebrochene innere Spaltung des Franziskanerordens, bedingt durch die Frage, wie streng der Orden die von Franziskus geforderte Verpflichtung zur Armut befolgen müsse, konnte Bonaventura überwinden durch Generalstatuten, die die Franziskusregel auf die veränderten Zeitverhältnisse hin aktualisierten. Ähnlich wichtig waren die zwei von ihm verfassten Lebensgeschichten des Franziskus, die er schrieb, um die Differenzen im Verständnis der Botschaft von Franziskus auszugleichen. Es gelang Bonaventura, den durch Streitigkeiten zerrissenen Orden vor dem Zerfall zu bewahren, was ihm den Ruf eines zweiten Stifters des Franziskanerordens eintrug. Auch die Einführung des Ave Maria zur Vesper wird ihm zugeschrieben.

Der Ehrentitel Doctor devotus kennzeichnet Bonaventuras aufopferungsvolle Arbeit für den Orden; aber er war auch ein großer Theologe mit dem Ehrentitel Doctor seraphicus. Wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin suchte auch er Vernunft und Glauben miteinander in Einklang zu bringen. Er akzeptierte den größten Teil der aristotelischen Philosophie, lehnte aber deren Metaphysik als unzulänglich ab, da sich Aristoteles nicht vom Licht des christlichen Glaubens leiten ließ. Die Lehre von der Erleuchtung des menschlichen Geistes durch das Göttliche übernahm Bonaventura von Augustinus. Bonaventuras Werk Reise des Geistes zu Gott von 1259 sowie seine kurzen mystischen Abhandlungen spiegeln seine Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Seele wider, Gott zu erkennen und mit ihm eins zu werden. Dreh- und Angelpunkt seines Denkens und Glaubens war die Bibel als Quelle der Gotteserkenntnis, ein Garten, in dem wir Nahrung finden, das Herz Gottes, Mund, Zunge und Griffel Gottes. Seiner Meinung nach solle man aber nicht zu viel philosophisches Wasser in den Wein der Heiligen Schrift gießen. Papst Leo XIII. nannte Bonaventura Fürst aller Mystiker.

Nach langer Sedisvakanz wurde 1271 auf Bonaventuras Vorschlag Gregor X. zum Papst gewählt. Dieser ernannte ihn 1273 zum Kardinal und Bischof von Albano. Boten des Papstes, die ihm den Kardinalshut überbringen sollten, trafen ihn angeblich im Kloster Mugello bei Florenz beim Geschirrspülen im Garten; er bat sie, den Kardinalshut an einem Baum aufzuhängen, bis er seine Arbeit vollendet habe. Bonaventura arbeitete nun mit an der Vorbereitung des 2. Konzils von Lyon, das den Bruch mit der Ostkirche kitten sollte. Die Legende berichtet, wie Bonaventura vom Papst zusammen mit anderen Bischöfen zum griechischen Kaiser geschickt wurde, um diesen zum lateinischen Ritus zurückzuführen. Bonaventura leitete das Konzil von Lyon vom Beginn im Mai 1274 bis zu seinem Tod im Juli; tatsächlich gelang die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit der Ostkirche für einige Zeit.

Bonaventura starb noch vor Beendigung des Konzils in Lyon und wurde in der dortigen Franziskanerkirche begraben, die heute seinen Namen trägt. Seine Reliquien wurden in dieser Kirche aufbewahrt, sind aber teilweise bei einem Brand zerstört worden, teilweise verschollen. Die Kirche seiner Heimatstadt Bagnoregio erhielt zuvor noch eine Armreliquie.

Kanonisation: Papst Sixtus IV. hat Bonaventura 1482 heilig gesprochen, 1588 ernannte ihn Papst Sixtus V. zum Kirchenlehrer mit dem Titel Doctor Seraphicus, engelsähnlicher Kirchenlehrer.
Attribute: Kreuz, Hostie reichender Engel, Kardinalshut am Baum
Patron von Lyon; der Theologen, Kinder, Arbeiter, Lastenträger und Seifenfabrikanten

Quelle: www.heiligenlexikon.de


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